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Das Ziel heißt Internationalisierung
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Das Ziel heißt Internationalisierung
08. Juli 2010
Interview mit Eloma-Geschäftsführer Stephan Wendler zur künftigen Entwicklung des Koch- und Backtechnik-Produzenten.
Herr Wendler, gleich vorweg, wie stark ist Ihr Unternehmen von der Krise betroffen?
Wendler: Glücklicherweise relativ gering. Das Investitionsklima hat sich zwar etwas abgekühlt, dennoch verzeichnen wir ein zufriedenstellendes Ergebnis.
Wie erklären Sie sich das?
Wendler: Einerseits dadurch, dass die Investitionsgüterbranche eigenen Gesetzen gehorcht. Nachfragerückgänge werden erst zeitversetzt spürbar. Andererseits sehe ich Eloma momentan ideal aufgestellt. Damit will ich sagen, dass wir als einziger Anbieter, Kombidämpfer und Backgeräte gemeinsam anbieten und dadurch Markschwankungen besser kompensieren können. Das Segment der Backtechnik zeichnet sich durch eine große Dynamik aus, was uns in Zeiten wie diesen sicher hilft.
Heißt das nun, Sie müssen sich auf zu erwartende Rückgänge einrichten?
Wendler: Nein, das glaube ich nicht. Wir sind ganz eng mit dem Markt verbunden und die Signale stehen eindeutig auf Aufbruch.
Welche Ziele verfolgen Sie mit Eloma in den kommenden Jahren?
Wendler: Unsere Devise lautet eindeutig: Internationalisierung. Stark entwickelte Märkte wie Deutschland oder Österreich sind bereits zu rund 70 Prozent mit Kombidämpfer-Technik durchdrungen. Aber international sieht das ganz anders aus. Weltweit würde ich diesen Anteil auf etwa zwanzig Prozent einschätzen. Und in den USA liegt diese Quote höchstens zwischen zehn und fünfzehn Prozent. Deshalb werden wir unsere Bemühungen künftig auch besonders stark auf die USA fokussieren.
Seit 2008 ist Eloma Teil der Ali-Gruppe und davor gehörte das Unternehmen der britischen AGA Food Service Group. Inwieweit unterscheiden sich diese Eigentümer und in welcher Weise wirkt sich das auf die selbständigen Aktivitäten von Ihnen mit der angekündigten Internationalisierung aus?
Wendler: Die Ali-Gruppe besteht aus über siebzig unterschiedlichen Marken. Ihr Eigentümer Dr. Berti vertritt seit jeher eine Strategie von Autonomie und Eigenverantwortung. Das gilt auch für uns. Natürlich können wir Synergien ausnützen und Optimierungspotenziale heben, wo es für uns sinnvoll ist und wo wir es für gut halten. Aber alles ist ein Kann und kein Muss. Das einzige was wir müssen, ist hochprofitabel und somit erfolgreich sein. In diesem Zusammenhang können wir uns jetzt wesentlich freier entwickeln als wir das zuvor unter dem britischen Eigentümer konnten.
Auf welchen Gebieten ergeben sich aus Ihrer Sicht solche Synergien?
Wendler: Ganz sicher darin, dass wir im Zuge unserer verstärkt internationalen Ausrichtung das bereits vorhandene Netzwerk der Gruppe nutzen. Das bezieht sich auf Kontakte zu bestehenden Vertragspartnern bzw. Händlern oder auch Nutzung der Infrastruktur in Auslandsniederlassungen. So sitzen beispielsweise vier unserer Mitarbeiter in den USA in einem Werk, das zur Ali-Gruppe gehört. Weitere Synergien sehe ich bei den sogenannten „shared services“, bei Messeauftritten sowie beim Abschluss von Rahmenverträgen, wenn es um Rohstoffe und Beschaffung von Bauteilen geht. Eine weitere Synergie haben wir bereits umgesetzt. Wir arbeiten seit einigen Monaten sehr erfolgreich mit der Betriebssoftware SAP, das wäre für Eloma alleine deutlich langsamer und kostspieliger geworden.
Themenwechsel: Wohin geht der Weg der Entwicklung bei Kombidämpfer- bzw. Backtechnik Ihrer Geräte?
Wendler: Grün zu sein, ist heute ohnedies selbstverständlich. Die Technik, in der wir uns bewegen, wird künftig noch stärker von den Schlagwörtern „Energieeffizienz“, „Ressourcenschonung“ und „Nachhaltigkeit“ geprägt sein. Diesem Anspruch leisten wir schon seit geraumer Zeit Folge. So sind wir der einzige Hersteller, der seine Geräte mit automatischer Wärmerückgewinnung ausgestattet hat. Wir verbrauchen heute zwanzig Prozent weniger Energie als früher und sparen auch beim Wasser. Vor allem bei den Backgeräten wird das zur großen Herausforderung. Die Bäcker kalkulieren im Zehntel Cent-Bereich und stellen höchste Anforderungen an Beschwadung und Gleichmäßigkeit. Wir haben hier eine perfekte, direkte und gleichmäßige Dampferzeugung sowie produktabhängige Backprogramme entwickelt, die ein perfektes Backergebnis im Garraum garantieren. Weiters arbeiten wir daran, die Bedien-, Programm- und Größenkonzepte der Geräte ständig zu verbessern. Wir verfolgen hier einen open-source-Ansatz und hüten keine Geheimnisse der Kochintelligenz. Wir bieten kluge Programme an, und wer will, kann sie auch übernehmen und individuell modifizieren. Natürlich wird es immer Köche und Anwender geben, die einen Touchscreen übersichtlich angeordneten Knöpfen vorziehen, daran wird sich auch künftig nichts ändern.
Was ist die jüngste Innovation aus dem Hause Eloma?
Wendler: Die aktuellste Neuheit hört auf das Kürzel ECDT, das steht für Eloma Complete Documentation Tool. Es sind hier auf digitaler Plattform sämtliche technischen Daten aller je bei Eloma produzierten Gerätegenerationen aufbereitet. Vom Anschlusswert bis zur Zertifizierung ist hier jedes noch so kleine Detail abrufbar. Das kann für Planer und Händler, aber auch für den Anwender selbst von großer Hilfe sein. Wir bieten das entweder online über unsere Homepage oder via digitalen Datenträger an.
Take away und eat on the move zählen zu wichtigsten Änderungen im Verpflegungsverhalten des Konsumenten. Eloma hat dieses Feld ideal besetzt – Ihre Einschätzung?
Wendler: Rund 70 Prozent unserer Produktion sind nach wie vor die klassischen Kombidämpfer. Aber im Segment von Backshops, Metzgereien, Supermärkten, Tankstellen und generell allen Take away-Outlets orten wir noch sehr viel Potenzial. In diesem Sinne findet sicher eine gewisse Substitution des Einzelhandels statt. Wir reagieren darauf mit hocheffizienten Backgeräten, die einfach zu bedienen sind und höchstmögliche Backqualität bieten. In der klassischen Gastronomie sehe ich einen Trend zum Einsatz mehrerer kleiner Geräte zu Lasten von Großgeräten. Auch hier sehe ich Eloma mit der Innovation des Zweidrittel-Gerätes Joker ideal positioniert. Köche und Restaurateure wollen nicht nur – sie müssen flexibel sein. Diesem Umstand kommen kleinere Gerätschaften einfach perfekt nach.
Eloma in Maisach ist Teil des Bermuda-Dreiecks der Kombidämpfer-Industrie mit Rational in Landsberg und Convotherm in Eglfing. Noch dazu wurden alle drei Hersteller nahezu gleichzeitig Mitte der 1970er Jahre gegründet. Wie beurteilen Sie die Verteilung der Marktanteile?
Wendler: An der unangefochtenen Marktführerschaft Rationals besteht kein Zweifel. Wer dahinter Nr. zwei oder drei ist, halte ich für sekundär, da ich beide Anbieter für in etwa gleich groß erachte. Alle drei Hersteller verfügen weltweit über einen Marktanteil von 65 bis 70 Prozent. In der gemeinsamen Kompetenz von Kochen, Braten und Backen verfügt Eloma allerdings als einziger über ein Alleinstellungsmerkmal.
Wofür steht eigentlich das Kunstwort „Eloma“?
Wendler: Es ist eine Abkürzung von „Elektromaschinen“.
Herr Wendler, vielen Dank für das Gespräch.







